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»Mein Kopf wird euch auch nicht retten«

Über das Buch

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Zur Kommunikation der Häftlinge

Ausgewählte Briefe

Besprechungen

Buchpräsentation am 26. Oktober 2016

Personenregister

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»Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer«

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Österreicher in der Roten Armee 1941 – 1945

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Österreichische ÖkonomInnen der ArbeiterInnenbewegung

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Österreichische Remigration aus der Sowjetunion

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Bin ich ein guter Soldat und guter Genosse gewesen?


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»Mein Kopf wird euch auch nicht retten«.

Aus Häftlingsbriefen

Eduard Göth in einem Kassiber an seinen Sohn Erwin, 5.?4.?1943:

Mein kleiner Erwin, mein liebes Kind! Ganz gleich, genau so wie deinen Bruder Edgar, hab ich dich lieb. Du bist durch das Schicksal deiner Eltern, besonders deines Vaters, am härtesten getroffen worden. Du bist klein und hilflos. Ich, dein Papa, weiß das. Viel mehr als die anderen Großen, die dich wohl sehr lieb haben, aber dich nicht so kennen, wie ich, kleines Menschenkind. Sie haben dir noch nie so tief in die Augen geschaut, wie ich, dein Papa. Ich weiß, wie dein Herzchen leidet. Du hast dich im NSV-Heim immer gefangen gefühlt. Du hast dich immer gesehnt nach uns. Wie oft war ich bei dir und ich konnte dich nicht befreien. Ich fühle mit dir – da ich hier im Gefängnis sitze – freudlos, getrennt von dir, von deinem Brüderlein und deiner lieben Mutter. Bis du groß sein wirst, wirst du verstehen, warum das alles so sein musste. Dann wirst du verstehen, um was dein Vater gekämpft hat. Dann wirst du kleiner – Jüngster von uns – mir verzeihen – mir, deinem Papa – dessen letzter Gedanke dir gilt. Dein Vater.
***
Grete Jost an ihre Mutter, 6.12.1942:

Oft stehe ich lange am Bett beim Fenster (wenn ich auf dem Bett stehe, beginnt in Stirnhöhe das Fenster) und schaue hinauf auf das kleine Stück Himmel, das ich erblicken kann (es ist wirklich nur sehr klein, wir sind im Parterre) und träume. Da denke ich oft an die Zeilen, die Maria Stuart so schön sagt: „Eilende Wolken, Segler der Lüfte, wer mit Euch wandert, wer mit Euch schiffte …“
Soll mir das gleiche Los wie einer Maria Stuart beschieden sein? Ich finde das Schicksal zu groß für mich. Sie war doch eine Königin und ich bin aber nur ein Arbeitermädl.
***
Marie Fischer an Tochter Erika, 2.8.1942:

Was ist der Einzelne im Vergleich zur Ewigkeit? Was ist ein Mensch? Nichts! Ein schwarzes Nichts! (Unter Nichts stelle ich mir unwillkürlich etwas Dunkles, Schwarzes vor.) Ich habe viel Zeit zum Denken und philosophiere mir so Verschiedenes vor. Ich denke nie an mich und meine Lage, ich denke immer nur im Gesamten. Es wäre so schön, wenn wieder Frieden wäre und wenn alle Menschen gut zueinander wären. Wenn wir wieder Menschen wären. Aber ich gib die Hoffnung nicht auf. Auch Du musst tapfer durchhalten. Bei allem Leid, was noch über uns kommen mag, liebe Erika, denke nie an dein Leid, denke immer nur an das Leid Aller. Nur dann kannst Du tapfer durchhalten und dabei ein guter Mensch werden. […] Mir hat der Ermittlungsrichter gesagt, ich soll meine mütterlichen Gefühle unterdrücken. Ich weiß nicht, meiner Meinung nach geht dies überhaupt nicht, und bin überzeugt, wenn andere in solche Situation kommen, dass sie auch nicht ihre Eltern- und Gattengefühle unterdrücken können. Oder bin ich zu sehr Mensch?
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Karl Roman Scholz in einem Kassiber, 15.2.1944:

Was ich bisher durchgemacht, war ein Purgatorium. Was jetzt bevorsteht, gibt der Hölle nicht viel nach. Ohne Gottes Gnade wäre es nicht leicht zu tragen. In ihm vermag man alles. So hoffe ich, ungebrochen wie bisher, das Ganze durchzustehen. Vergnügen ist der Henkertod ja keines, noch weniger das Auf-ihn-warten, aber ich weiß mich in bester Gesellschaft (in Gegenwart und Vergangenheit!). Ich weiß auch wofür ich sterbe: Für alles, was groß und gut und edel ist, und zum guten Teil auch für Gottes Wort. Hasst man mich nicht doppelt, weil ich Priester bin – neben meiner gefährlichen Geistigkeit mein Hauptverbrechen?
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