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»Mein Kopf wird euch auch nicht retten«

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»Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer«

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Über die Gruppe 40

Chronik der Gruppe 40

Hinrichtungsraum

Ausgewählte Biografien

Personenregister

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Österreicher in der Roten Armee 1941 – 1945

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Österreichische ÖkonomInnen der ArbeiterInnenbewegung

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Österreichische Remigration aus der Sowjetunion

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Bin ich ein guter Soldat und guter Genosse gewesen?


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»Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer«

Vorwort

von: Dr. Kurt Scholz (Kuratoriumsvorsitzender des österr. Zukunftsfonds) / Dr. Friedl Garscha (Wiener Landesobmann des KZ-Verbands) / Dr. Michael Häupl (Bürgermeister der Stadt Wien)

Vergleicht man die zahllosen Krieger- oder sogenannten ’Helden‘-Denkmäler mit dem Zustand der Gruppe 40 auf dem Zentralfriedhof, dann konnte man den Unterschied je nach Temperament traurig oder empörend finden.
Erst recht nachdenklich stimmt es, wenn man einen internationalen Überblick anstellt: Wurden die Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer in Frankreich, Italien oder Griechenland bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit im nationalen Gedenken ihrer Länder verankert, setzte diese Entwicklung in Österreich gegen tiefsitzendes Unverständnis und mit Verspätung ein.
Dieses zögernde Gedenken nach 1945 war eine Fortsetzung jener Anonymität, welche die NS-Diktatur ihren politischen Gegnern verordnet hatte. Menschen, die ihre Handlungsspielräume nicht aufgegeben hatten und ihre Ablehnung einer Gewaltherrschaft bis zum Tod aufrecht hielten, wurden ermordet: Sie sollten aber auch für alle Zeiten aus der Erinnerung getilgt sein.
Der Autor dieser Publikation bringt das Leben jener Frauen und Männer, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, in unser Gedächtnis zurück. Dank seiner Arbeit stehen wir nicht vor einer abstrakt bleibenden Gedenkstätte, sondern sehen das erschütternde Schicksal konkreter Menschen. Er bringt sie, ihr Denken, ihr Leben und ihr Sterben in das Heute. Dafür ist dem Verfasser zu danken.
Dr. Kurt Scholz (Kuratoriumsvorsitzender des österr. Zukunftsfonds)

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Der KZ-Verband fühlt sich seit seiner Gründung der Gruppe 40 im Wiener Zentralfriedhof verbunden, jenem Ort, wo während der NS-Herrschaft Hunderte hingerichtete WiderstandskämpferInnen verscharrt wurden. Als dort im November 1945 die erste Gedenkfeier stattfand, standen noch die Spitzen der Stadt Wien neben denen der drei demokratischen Parteien (ÖVP, SPÖ, KPÖ) und des KZ-Verbandes nebeneinander. Wenig später hatte sich das Bild verändert: Nach der Auflösung des einheitlichen überparteilichen KZ-Verbands durch Innenminister Oskar Helmer schufen SPÖ und ÖVP ihre eigenen, parteigebundenen Opferverbände. Die jährlichen Gedenkfeiern in der Gruppe 40 aber blieben weiterhin ein zentrales Anliegen des KZ-Verbandes.
Seinem Agieren ist es zuzuschreiben, dass der Gruppe 40 zunehmend mehr Beachtung geschenkt, dass der voranschreitenden Verwilderung Einhalt geboten und die Gruppe 40 in der 1960er Jahren endlich zu einem würdigen Ehrenhain gestaltet wurde. Diese enge Verbindung des Verbandes beruht auf der historisch begründeten Tatsache, dass, von wenigen Ausnahmen abgesehen, der Großteil der hingerichteten und hier bestatteten WiderstandskämpferInnen im Rahmen der illegalen KPÖ und des von ihr organisierten Widerstandeskampfes tätig waren, aber auch weil die Mehrheit der überlebenden WiderstandskämpferInnen sowie deren Angehörigen dem im März 1946 gegründeten KZ-Verband als Mitglieder beitraten.
In Fortsetzung dieser Tradition hat der KZ-Verband Wien nun die Initiative ergriffen, um für die rund 70 in diesem Ehrenhain beerdigten WiderstandskämpferInnen, die bislang keinen Gedenkstein haben, solche aufzustellen.
Bis um die Jahrtausendwende blieb dieses jährliche Gedenken an die im Wiener Landesgericht Geköpften in der Gruppe 40 alleiniges Anliegen des Wiener KZ-Verbandes. Das jährliche Gedenken der ÖVP-Kameradschaft an die auch in der Gruppe 40 beerdigten Opfer des katholisch-konservativen Widerstandes findet an anderen Orten (z.B. Hinrichtungsraum im LG I Wien) statt. Seit 2002 ist die Gruppe 40 auch Teil des traditionellen Gedenkrundganges der Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen im Wiener Zentralfriedhof am 1. November.
Das vorliegende Buch behandelt auch die wechselvolle Geschichte des Umgangs mit dem Ehrenhain, insbesondere auch in den letzten 15 Jahren, seit ihm medial größere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Zum 75. Jahrestag der Annexion Österreichs, im März 2013, fand in der Gruppe 40 ein Festakt der Bundesregierung statt, bei dem sie zur Nationalen Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Justiz erklärt wurde, der ersten dieser Art in Österreich.
2004 publizierte Willi Weinert erstmals dieses Handbuch, das auch ein Führer durch die Gruppe 40 ist. In der nun vorliegenden, neu bearbeiteten und ergänzten 4. Auflage zeigt sich erneut die Wichtigkeit des Buches, das weit mehr ist als ein spezieller Friedhofsführer. Es ist nicht mehr und nicht weniger als ein biografisches Nachschlagewerk zum österreichischen Widerstand. Es hilft, sich nicht nur vor Ort zu orientieren, sondern bietet vielfältige Informationen über die Biografien der dort Beerdigten hinaus, vermittelt in Wort und Bild die Geschichte dieses Gräberfeldes.

Dr. Friedl Garscha (Wiener Landesobmann des KZ-Verbands)

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Es ist auch heute wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht wenige ÖsterreicherInnen zum Untergang Österreichs 1938 beigetragen haben, dass es ÖsterreicherInnen gab, die bedenkenlos das NS-Regime unterstützten.
Aber es darf auch die Tatsache nicht ausgeblendet werden, dass ÖsterreicherInnen – aus welchen persönlichen und politischen Gründen auch immer – sich für den aktiven Kampf gegen das NS-Regime entschieden.
Der Bogen der auf dem Zentralfriedhof in Wien bestatteten KämpferInnen gegen den Nationalsozialismus spannt sich vom katholischen Priesterseminaristen Hanns Georg von Heintschel-Heinegg, der Schwester Restituta (Helene Kafka), über den Revolutionären Sozialisten Eduard Göth bis zum Mitglied des Zentralkomitees der KPÖ Hedwig Urach.

Viele der Menschen, von denen in diesem Buch berichtet wird, haben bereits lange vor der Moskauer Deklaration (1943) – in der festgelegt wurde, dass auch der Widerstand als österreichischer Beitrag zur Befreiung vom Faschismus, als Voraussetzung für ein freies, unabhängiges Österreich in den heutigen Grenzen in Rechnung gestellt werden wird – auf unterschiedlichste Weise den Kampf gegen Hitlerdeutschland und für ein freies, unabhängiges Österreich aufgenommen.

Auch wenn das Wirken dieser ÖsterreicherInnen nicht massenwirksam wurde, so repräsentieren sie doch das bessere Österreich.
Die Erinnerung an sie spielte nach 1945 und bis heute im öffentlichen Bewusstsein leider eine untergeordnete Rolle.

Dieses Buches möge dazu beitragen, dem Vergessen dieser tapferen Menschen entgegen zu wirken.

(Geleitwort zur 1. Aufl. v. Dr. Michael Häupl, Bürgermeister der Stadt Wien)

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