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»Mein Kopf wird euch auch nicht retten«

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»Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer«

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Österreicher in der Roten Armee 1941 – 1945

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Österreichische ÖkonomInnen der ArbeiterInnenbewegung

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Österreichische Remigration aus der Sowjetunion

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Hermann ... (Politdelegierter in der MG-Kp. – später Kommissar der 3. Kompanie)

Maschinengewehr-Kompanie Georg Weissel

In den Reihen unseres Bataillons Tschapajew, des vielsprachigsten und internationalsten Bataillons der Internationalen Brigaden, kämpften relativ viel Österreicher. Die meisten waren in der Maschinengewehr-Kompanie vereinigt, die sich später den Namen Georg Weissel gab, zum Gedächtnis des Schutzbundführers, der vom österreichischen Faschismus ermordet wurde. Die Kompanie war zeitweilig zu 60 Prozent aus österreichischen Freiwilligen zusammengesetzt. Zuletzt, nach sieben Monaten des Einsatzes, waren in der MG-Kp. Georg Weissel immer noch über 40 Prozent Österreicher.

Unsere Kompanie hatte einen guten Ruf im Bataillon. Wir alle liebten unsere Kompanie und waren stolz darauf, ihr anzugehören. Wenn einer von uns abkommandiert wurde, kam er sich wie entwurzelt vor und besuchte immer wieder die MG-Kp., um die vertraute Atmosphäre der Kameradschaft zu genießen, die in ihr herrschte. Diese Kameradschaft der MG-Kp. Georg Weissel war eine ihrer Kraftquellen. Die Kompanieführung und die Mehrzahl der Zug- und Gewehrführer waren österreichische Arbeiter verschiedener Parteirichtungen, Schutzbündler, Februarkämpfer. Die Namen von Julius Adler, Karl Rimbach, Paul Wenzel, die nacheinander die Kompanie führten, und der Politkommissare Leon Wurzel und Julius Schacht haben bei allen Mitkämpfern des Bataillons guten Klang.

Die MG-Kp. war eine der diszipliniertesten Kompanien. Obwohl zwischen den Offizieren und allen anderen Kameraden die freundschaftlichsten Beziehungen bestanden, oder vielleicht gerade deswegen, verfügte die Kompanieführung über unbedingte Autorität. Der erste Kompanieführer, Schmidt, war ein Deutscher, ein hervorragender Soldat von großem Mut. Er wurde bei Teruel schwer verwundet (später ist er dann Kommandant des Thälmann-Bataillons geworden). Sein Nachfolger, Julius Adler, war ein Floridsdorfer Metallarbeiter. Er krempelte bedenkenlos seine Ärmel auf, wenn es galt, ein außer Gefecht gesetztes MG zu reparieren. Seine kräftige Arbeiterfaust, die dann bei der Eroberung von Valsequillo durch ein faschistisches Geschoss zerschmettert wurde, verstand es, mit Maschinengewehrteilen umzugehen. Nach seiner Verwundung übernahm mitten im Kampf Karl Rimbach, ebenfalls ein Wiener Arbeiter, das Kommando und führte die Kompanie so umsichtig, dass er alsbald zum Kapitän befördert und als Kompanieführer bestätigt wurde. Rimbach fühlte sich am wohlsten, wenn er in recht breitem Kreise in seiner witzigen Art alle Fragen, die ihm und uns am Herzen lagen, durchsprechen konnte.

Wenngleich zahlenmäßig die Österreicher in der MG-Kp. vorherrschend waren, so waren doch natürlich auch eine ganze Anzahl anderer Nationalitäten vertreten. Doch ist kein einziges Beispiel einer Meinungsverschiedenheit bekannt. Die Geschichte Georg Weissel ist ein schönes Beispiel für den überparteilichen antifaschistischen Internationalismus. Alle Kameraden, die nicht Osterreicher waren, gaben das immer gerne zu. Als wir auf Anraten Franz Dahlems anlässlich seines Besuches endlich darangingen, unseren Wunsch zu verwirklichen und der Kompanie den Namen eines österreichischen Februarhelden zu geben, da waren es die deutschen, schweizer und polnischen Kameraden, die in den Versammlungen der einzelnen Gewehrmannschaften am eifrigsten für die Namensgebung eintraten. Damit ehrten sie die österreichische Arbeiterklasse, deren gute, der antifaschistischen Sache treu ergebene Söhne, die hier kämpfen. Und selbstverständlich hat sich die Kompanieführung bei ihrer Kaderpolitik, wie es ja gar nicht anders denkbar war, nur von dem Gesichtspunkt der Fähigkeit der Kameraden in der Kompanie leiten lassen. Auch sonst lag es im Wesen der Österreicher, die nationalen Unterschiede durch ihre kameradschaftliche und humorvolle Einstellung allen Gewichts zu berauben.

Durch ein solches Verhalten gewannen sich die Österreicher große Sympathien. Die deutschen, schweizer und alle anderen Kameraden fühlten sich von dieser Art so angezogen, dass sie immer häufiger Ausdrücke des österreichischen Dialekts gebrauchten, allerdings nicht ohne Schwierigkeiten: Das Geheimnis der richtigen Anwendung solcher Worte wie „aufi“ und „obi“ (hinauf, hinunter) blieb ihnen bis zuletzt verschlossen. Am seltsamsten war es, dass auch die spanischen Kameraden eine ganze Anzahl österreichischer Dialektausdrücke in ihren Sprachschatz aufnahmen. Bei allen möglichen Gelegenheiten, sei es, dass es zum Sturm ging oder zum Essenfassen oder sonst wohin, hörte man die spanischen Kameraden sich gegenseitig aufmunternd zurufen: „gama, gama“ (was soviel heißen sollte wie: gehen wir). Es muss dazu noch gesagt werden, dass gerade auch das Verhältnis zu den spanischen Kameraden in unserer MG-Kp. wirklich herzlich und gegenseitig achtungsvoll war. Damals, bei Málaga, als sie sich bei uns einreihten, kamen sie als schüchterne kleine Landarbeiter. Die meisten wussten nicht recht mit den modernen Waffen umzugehen. Als sie uns bei der Umorganisierung der Brigade verließen, waren sie aufrechte, selbstbewusste Kämpfer und gut ausgebildete MG-Schützen.

In dieser Atmosphäre der Kameradschaft, der fürsorglichen und festen Führung und der lebhaften politischen Arbeit, die vor allem von dem tapferen, klugen, politisch qualifizierten jungen österreichischen Arbeiter und Kompaniekommissar Julius Schacht organisiert wurde, konnten viele Kameraden außerordentlich gute militärische Qualitäten bei den Kämpfen entwickeln. Man kann nicht alle Namen aufzählen, aber man muss doch solche Kameraden nennen wie die Schweizer Zugführer Werner Naef, Alfred Hartmann, Gustl Schmidt; wie den des schlesischen Bergarbeiters Vincent Porombka; des Ottakringer Jungarbeiters Pepi [Josef] Eisenbauer, des Floridsdorfer Schutzbündlers Paul Horn, die einzeln oder mit noch einem Kameraden mit ihren Maschinengewehren die Faschisten in Schacht hielten, bis die letzte Patrone aus den Gurten verschossen war. Auch muss man zweier pflichtgetreuer deutscher Kameraden gedenken, Theodor Krolicek und Albert Schneider, die aus der Reichswehr desertiert waren, um sich in Spanien bei uns einzureihen. Man muss auch sprechen von denen, die ihr Leben auf den Schlachtfeldern des Freiheitskampfes ließen, von unseren hervorragenden Kameraden Karl Saul, Walter Matucek, Max Sauerland, Sepp Willinger, Oskar Freismuth, Franz Bauer5), Paul Salzer, Franz Morawetz. Sie sind es nicht allein, die wir betrauern. Die Lücken, die der Kampf in unsere Reihen riss, waren tief und schmerzvoll. Aber wenn je in einem Kampfe, so in diesem wussten wir, dass diese Opfer nicht vergeblich sind.

So haben die österreichischen Kameraden im Rahmen des Tschapajew-Bataillons allezeit mit ihren besten Kräften ihre Pflicht zu erfüllen gesucht, und sie werden weiter ihre Pflicht zu erfüllen wissen in der Einheit, der sie nun angehören, dem vierten Bataillon der XI. Brigade, das zur Erinnerung an den ruhmvollen Kampf der österreichischen Arbeiter den Namen 12. Februar trägt. Das österreichische Bataillon der deutschsprachigen Brigade hat die Kameraden der MG-Kp. Georg Weissel mit Liebe und Achtung in seine Reihen aufgenommen. Die Erfahrungen und Lehren aus der Geschichte der ehemaligen XIII. Brigade und des Sturmbataillons Tschapajew haben die Kameraden mit hinübergenommen in die neue Kampfgemeinschaft, in der sie nun aufgenommen sind. Diese Erfahrungen bilden einen beachtenswerten Beitrag im Kampf um die Schaffung der Volksarmee, die den Sieg über die faschistischen Unterdrücker und Eindringlinge davontragen wird. Und auch die Traditionen der MG-Kp. Georg Weissel leben in dieser Volksarmee fort im Rahmen der berühmten XI. Brigade und ihres bewährten österreichischen Bataillons 12. Februar, das fortfährt, hier auf spanischem Boden in die große Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung neue ruhmvolle Blätter einzufügen.

(Aus: Tschapajew. Das Bataillon der 21 Nationen. Dargestellt in Aufzeichnungen seiner Mitkämpfer. Redigiert v. Alfred Kantorowicz, Berlin 1956 (reprint), S. 325–327.)

[Hermann: d.i. Hermann Peczenik; 27.1.1901 Chomiakówka/Galizien – 20.101942 KZ Auschwitz; Pole, Mitarbeiter d. österr. Ztg. »Rote Fahne«; 1935 drei Jr. Kerker; 1936 amnestiert, dann n. Prag; von dort n. Spanien; Polit.off. i. d. MG-Komp. Georg Weissel später Kommissar d. 3. Komp.; 1939 Intern.lag. St. Cyprien, Gurs, Le Vernet; KZ Auschwitz.]