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»Mein Kopf wird euch auch nicht retten«

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»Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer«

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Österreicher in der Roten Armee 1941 – 1945

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Österreichische ÖkonomInnen der ArbeiterInnenbewegung

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Österreichische Remigration aus der Sowjetunion

Vorbemerkungen

Inhaltsverzeichnis

Opferbegriff

Franz Koritschoner

Personenregister

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Bin ich ein guter Soldat und guter Genosse gewesen?


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Österreichische Remigration aus der Sowjetunion

Vorbemerkungen

„Wir wollen die Vergangenheit nicht verdrängen“, formulierte der ehemalige Parteivorsitzende der KPÖ, Walter Baier 1992, „vor allem aber dürfen wir nicht vergessen lassen, dass die ältere Generation der österreichischen Kommunisten und Kommunistinnen die Erfüllung ihrer Pflicht nicht in der Teilnahme an den Feldzügen Hitlers, sondern im Widerstand dagegen erblickt hat. Wer diese Menschen, von denen viele vor Verfolgung und KZ in die Sowjetunion geflüchtet sind, um dann am erbitterten und verzweifelten Kampf gegen Hitler teilzunehmen, als „Täter“ denunziert, der will von den wahren Tätern, die ihre Verbrechen an und in Österreich verübt haben, ablenken; der verharmlost Holocaust und Krieg.“

Fünf Jahre später hörte sich das schon ganz anders an. Da hatte er seinen „antistalinistischen“ Kurs innerhalb der KPÖ bereits forciert und stellte sich in die Reihe jener AntikommunistInnen, denen es darum ging, zu zeigen, dass die in Moskau sitzende Parteiführung der KPÖ angeblich auch Schuld an der Verfolgung von Parteimitgliedern gehabt hätte. Er verkündigte vollmundig, dass die weitere Sichtung von Dokumenten die Verstrickung der KPÖ-Parteiführung in die stalinistischen Verbrechen zeigen werde.

Seit 1990 erschienen mehrere Arbeiten, die sich mit der österreichischen Emigration in der Sowjetunion der 1930er- und 1940er-Jahre beschäftigen. Dabei geht es weniger um die Geschichte dieser Menschen, sondern vorrangig um die Hervorhebung des „Opfer“status, wobei die Interpretation der jeweiligen Auflistungen der „Opfer“ von Spekulationen und Vermutungen begleitet sind. Es wird immer wieder mit kaum belegbaren Zahlen operiert.
Karl Stadler formulierte 1974: „Rein statistisch wäre wohl nur durch einen ungeheuren Aufwand an Zeit und Mühe zu erheben, wie viele Menschen insgesamt als Folge der Februarkämpfe flüchteten, ihre Frauen und Kinder nachkommen ließen und später wieder zurückkamen.“

Das wurde auch nach 1990 nicht versucht. Von den unmittelbar nach den Februarkämpfen über die CSR in die Sowjetunion geflüchteten Personen gibt es zwar eine ungefähre Zahl, die in den Publikationen auch genannt wird, völlig ausgeblendet blieb bislang jedoch die Zahl der nachgereisten Familienmitglieder. Schätzungen liegen ebenso nur für die „Wirtschaftsemigration“ und jene Gruppe von Österreichern vor, die während des Ersten Weltkriegs in russische Kriegsgefangenschaft gerieten und in Russland (dann Sowjetunion) verblieben. Aus allen diesen Gruppen kehrten, verstärkt in der 1. Hälfte der 1930er-Jahre, Personen nach Österreich zurück.
Mit der hier vorliegenden Arbeit, die auf der Auswertung der so genannten Blauen Kartei (i.d.F. BK; s. Kapitel: Die Blaue Kartei – Quelle zur Remigration bis 1941) basiert, existiert erstmals eine Auflistung jener ÖsterreicherInnen, die bis 1941 die Sowjetunion in Richtung Heimat wieder verlassen haben. Die mehr als 1.300 hier aufgelisteten Personen haben (bis auf wenige Ausnahmen) noch vor dem Überfall auf die Sowjetunion diese verlassen, können somit nicht „Opfer des Stalinismus“ geworden sein. Die Liste wurde ergänzt durch Personen, die die KPÖ ca. 1941 zusammengestellt hat, wobei die darin enthaltenen Namen sich teilweise mit denen der Blauen Kartei (BK) decken.
Der Arbeit beigefügt wurden auch die Namen der nach der Befreiung Österreichs 1945 aus der Sowjetunion in die Heimat Remigrierten, welche aus einer Zusammenstellung der KPÖ stammen.

Dieser Personenkreis kommt ebenso wenig für eine Opfer-Vereinnahmung in Frage, wie jene, die in der Sowjetunion verblieben sind. Ihre Zahl lag schätzungsweise im zweistelligen Bereich. Eine Auflistung der „Stalinopfer“ muss selbstverständlich auch die Tatsache in Rechnung stellen, dass viele Schutzbündler in den bewaffneten Organen der Sowjetunion in verschiedensten Einsätzen im Kampf gegen den Faschismus standen und dabei auch – oft namenlos – ihr Leben ließen. Ob es nun der Sohn (Karl Ladislaw-Haider) der Schutzbündlerin Anni Haider war, der schon sehr jung als Partisan sein Leben ließ oder der erfahrene Schutzbündler aus Ternitz, Johann Steiner. Er operierte mit Max Leitner 1942 in deutscher Wehrmachtsuniform hinter der Front und beide wurden dafür als erste Ausländer mit dem Orden Roter Stern für hervorragenden Dienst im Zuge der Verteidigung der Sowjetunion ausgezeichnet. Beide sind seit 1943 vermisst. Dass österreichische EmigrantInnen auch jenseits von ungerechtfertigten Verfolgungen starben, kann ebenfalls der BK entnommen werden.